Heli-Skitouren auf Island: Tröllaskagi, vom Gipfel bis ans Meer
- Boris Malesset

- 30. Juni
- 8 Min. Lesezeit


Im Norden Islands, zwischen den Fjorden von Skagafjörður und Eyjafjörður, erhebt die Halbinsel Tröllaskagi Hunderte Gipfel mit den Füßen im Ozean. Heli-unterstützte Skitouren verbinden hier zwei Dinge, die sonst getrennt bleiben: einen Hubschrauber, der am Morgen einmal einen Grat erschließt — und die Felle, mit denen man von dort aus weitergeht, zu einem Gipfel, den keine Straße berührt. Im Kern bleibt es eine Skitour; der Flug spart nur den langen Zustieg. Und die Abfahrt fällt oft bis ans Meer. Skitouren in ihrer ruhigsten Form, für eine Handvoll Leute.
Ein Absetzen am Morgen, der Rest mit den Fellen


Der Hubschrauber zieht ab, der Lärm verklingt im Wind, und auf dem Grat bleiben vier Leute, ein paar Spuren im Schnee und ein Gipfel, der noch zwei Stunden über uns liegt. Das ist der Moment, der heli-unterstützte Skitouren von Heliskiing trennt. Beim Heliskiing fliegt man jede Abfahrt aus der Höhe an und fährt nur ab. Hier setzt der Hubschrauber einmal am Morgen ab, an einem Punkt, den man zu Fuß kaum in einem halben Tag erreichen würde — und dann beginnt die eigentliche Tour. Felle unter den Skiern, Spitzkehre für Spitzkehre hinauf zu einem unberührten Gipfel, und dann hinunter. Der Flug ersetzt den langen Zustieg, nicht das Gehen.
Der Unterschied liegt im Zugang. Tröllaskagi ist riesig, das Skigelände erstreckt sich über mehr als 4.000 Quadratkilometer, mit Gipfeln zwischen 1.000 und 1.500 m, die direkt aus dem Atlantik steigen. Ein einziges Absetzen öffnet ein Tal, das man sonst nicht in einer Woche durchqueren würde. Was folgt, ist klassisches Tourengehen — eigene Spur, eigenes Tempo, der Berg gibt den Takt vor. Es ist nicht die schnellste Art, Höhenmeter zu sammeln. Es ist die abgelegenste.

Ein Tag, von der Morgenstille bis zur Mitternachtssonne
Aufstehen, wenn der Fjord noch grau ist, Kaffee, und der erste Blick gilt dem Wind. Der Tag folgt dem Licht und dem Schnee, nie umgekehrt — so sieht er in groben Zügen aus:
Am Morgen ein Briefing in unserer Lodge. Wind der Nacht, Schneedecke, Hangneigung der gewählten Linie. In Island gibt es keinen flächendeckenden Lawinenlagebericht wie in den Alpen — die Beurteilung liegt vor Ort, beim Skiführer, jeden Morgen neu.
Der Flug ist kurz, einmal am Tag. Es geht zur Dropzone, rund zwanzig Minuten von der Lodge, und von dort setzt der Hubschrauber die kleine Gruppe auf einem Grat ab, wo ein Fußaufstieg Stunden kosten würde — und fliegt wieder davon. Ab da zählt nur die Tour.
Der Aufstieg dauert je nach Gipfel ein bis drei Stunden mit Fellen. Spitzkehren im steileren Gelände, ein ruhiger Rhythmus von rund 300 Höhenmetern pro Stunde.
Die Abfahrt zieht zum Fjord hinunter, eine lange, anhaltende Abfahrt, oft 1.000 bis nahezu 1.400 m am Stück, auf Firn am Morgen, manchmal im Pulver, der die Ski tragen lässt — ein leichtes Aufschwimmen Schwung um Schwung —, manchmal bis an den Strand.
Am Abend Sauna und Jacuzzi im Freien, der Blick auf den Eyjafjörður. Und im Mai, wenn das Licht nicht mehr endet, eine letzte Tour im Licht der Mitternachtssonne.
Man bricht früh auf und kehrt um, wenn der Berg es sagt. Sagt der Schnee Nein, hört man auf ihn — das gehört zum Handwerk.
AUF EINEN BLICK — Heli-unterstützte Skitouren Island Saison · März bis Ende Mai, Hauptfenster April–Mai Niveau · ein sicherer, gelassener Skifahrer abseits der Piste, eigenständig im Tourengelände Aufstieg · 1 bis 3 h pro Gipfel mit Fellen, nach einem Absetzen am Morgen Höhenunterschied · Abfahrten bis nahezu 1.400 m, oft bis ans Meer Unterkunft · unsere private Lodge am Fjord (sieben Zimmer, Koch im Haus, Sauna) Gruppe · klein — 4 Skifahrer pro Gruppe, höchstens 5; in der Lodge 8 Personen, zwei kleine Gruppen Sicherheit · LVS, Schaufel & Sonde, Lawinenairbag, tägliches Briefing vor Ort Dauer · 7 Tage / 6 Nächte, 6 Skitage Preis · 7.500 € pro Person (ohne Flüge)
Der Maßstab: vier oder fünf pro Gruppe

Man muss kein Wettkämpfer sein, aber ein sicherer, gelassener Skifahrer im freien Gelände. Konkret: jede Schneeart fahren können — Firn, harten Bruchharsch, gelegentlich Pulver —, mehrere Tage hintereinander, mit der Spitzkehrentechnik im Aufstieg vertraut. Die Abfahrten reichen von weiten, welligen Flanken bis zu steileren Linien und einzelnen Couloirs, über eine lange Schulter, die der Gruppe Atem lässt, bevor es wieder kippt.
Was diese Reise prägt, ist die kleine Größe. Eine Gruppe zählt vier Skifahrer, höchstens fünf, und in der Lodge sind es acht Personen — zwei kleine Gruppen, die sich das Haus teilen. Ein klassisches Programm ohne Hubschrauber bringt eher Gruppen zu sechst zusammen, ein gutes Dutzend insgesamt; hier bleibt der Maßstab bewusst eng. Das heißt mehr Spur für jeden, kürzere Wartezeiten am Grat und ein Skiführer, der jeden im Blick behält.
Der Fellaufstieg ist schnell gelernt; die Sicherheit in der Abfahrt auf wechselndem Schnee weniger. Wer regelmäßig Skitouren in den Alpen geht und im Pulver zu Hause ist, findet sich auf Tröllaskagi zurecht. Wer unsicher ist, sagt es uns vorher — wir richten Tempo und Linienwahl nach der Gruppe, nicht umgekehrt. Das Programm bleibt ein Richtprogramm, je nach Schnee und Wetter.
Die Saison wandert mit dem Licht
Im März liegt der Fjord noch oft im Halbdunkel; im Mai geht die Sonne kaum mehr unter. Dazwischen liegt die ganze Saison auf Tröllaskagi — von März bis Ende Mai, mit dem Frühjahr als Kernzeit. Das Fenster verschiebt sich mit dem Licht:
März — kürzere Tage, kälterer Schnee, die beste Zeit für Nordlichter über dem Fjord. Hier ist eher Pulver als Firn zu erwarten. Dasselbe arktische Licht prägt weiter östlich auch die Skitouren auf den Lofoten, wo die Gipfel ebenso unmittelbar in die Fjorde fallen.
April — die Tage werden lang, ein Wechsel aus Pulver und Firn. Ein verlässliches Fenster.
Mai — die längsten Tage, tragender Firn am Morgen, und das Licht reicht bis tief in die Nacht, für eine letzte Tour unter der Mitternachtssonne. Die Nordlichter treten zurück, dafür die endlose Dämmerung über dem Ozean.
Jeder Monat hat seine Logik. Welcher zu Ihnen passt, hängt davon ab, was Sie suchen — die dunklen Nächte mit Aurora im März oder das lange Licht des Frühlings. Wer die Region rundherum kennenlernen will, findet beim offiziellen Tourismusbüro Visit North Iceland einen guten Überblick über Nordisland. Die Termine verfeinern wir mit jeder Gruppe.

Lawinen: was wir Ihnen schuldig sind, ehrlich gesagt
Sagen wir es gleich, wie es ist: Hier draußen sind Sie weiter weg von jeder Hilfe als in den Alpen, und das verlangt mehr Sorgfalt, nicht weniger. Der Schnee fällt auf Tröllaskagi oft mit starkem Wind, Triebschnee und großräumige Verfrachtungen sind die Regel, nicht die Ausnahme — auf den windabgewandten Hängen im Lee liegt am Ende des Tages oft mehr, als es am Morgen schien. Und anders als in Tirol oder Graubünden gibt es keinen täglichen Lawinenlagebericht für die Halbinsel.
Das heißt: Die Lageeinschätzung wird vor Ort getroffen, jeden Tag, von einem Skiführer, der das Gebiet kennt. Jede Gruppe fährt mit kompletter Notfallausrüstung — LVS, Schaufel und Sonde, Lawinenairbag — und beginnt den Tag mit einem Briefing zu Schnee, Wind und Hangneigung — und der Frage, ob eine Schwachschicht im Aufbau steckt, die im Steilhang über 30° tragen muss. Wir versprechen nie null Risiko. Wir versprechen ein Urteil, das Tag für Tag neu gefällt wird, und den Verstand, umzukehren, wenn es der Berg verlangt. Wer sich tiefer einlesen will, findet beim Icelandic Met Office die offiziellen Wetter- und Lawinendaten für Island; den Charakter dieses ozeanischen Schnees prägt die Mitternachtssonne ebenso wie der ständige Wind über dem Fjord.
Abends: unsere Lodge, der Fjord und sonst nichts

Ein Fischerhaus aus den späten 1920er-Jahren, restauriert und unmittelbar am Wasser — von der Veranda aus hört man die Brandung, nicht den Verkehr. Hier schlagen wir unser Basislager auf, rund 40 Minuten vom Flughafen Akureyri, wenige Minuten vom nächsten Dorf. Das Haus wurde im Geist seiner Zeit hergerichtet und blickt über den Eyjafjörður auf die gegenüberliegende Küste.
Sieben Zimmer, behagliche Wohnräume, ein Koch im Haus, Sauna und Jacuzzi im Freien. Es ist eine private Lodge, die wir mit nur einer zweiten kleinen Gruppe teilen — acht Personen am Wasser, höchstens zehn, wenn wir das Haus ganz für uns nehmen. Genug, dass am Abend Stimmen am Tisch sind; klein genug, dass das Haus ruhig bleibt. Die Lage ist kein Zufall — sie liegt mitten im besten Gelände der Halbinsel, dort, wo die Berge und der Ozean zusammentreffen und die Abfahrten bis an den Strand reichen. Das morgendliche Absetzen beginnt an einer Dropzone, rund zwanzig Minuten von der Tür.
Vier Wege auf denselben Berg
Heli-Skitour, Heliskiing, Catskiing oder zu Fuß — am Ende geht es um eine einzige Frage: Wie kommt man hinauf? Vier Antworten, vier Logiken:
Klassische Skitour — der ganze Aufstieg zu Fuß, mit Fellen, von einem Tal oder einer Hütte.
Catskiing — eine Pistenraupe bringt die Gruppe hinauf, man fährt nur ab. Mechanischer Zugang, kein Flug.
Heliskiing — der Hubschrauber fliegt jede Abfahrt an. Maximale Höhenmeter, stark vom Flugwetter abhängig. Ein eigenes Format, das wir gesondert anbieten.
Vom Segelboot aus — eine fünfte Logik, die das Basislager aufs Wasser verlegt: Wie das Skitourengehen per Segelboot (Ski & Sail) funktioniert, erschließt jeden Morgen einen anderen Fjord, ganz ohne Flug.
Heli-unterstützte Skitouren — ein Absetzen am Morgen erschließt das Gelände, der Rest ist Eigenleistung mit Fellen. Die ruhigste und abgelegenste Variante, und die, die das Beste aus beidem verbindet. Genau diese Reise stellen wir hier vor.
Keine ist „besser". Heli-unterstützte Skitouren ziehen jene an, die das stille Gehen suchen, die eigene Spur und das Meer am Ende des Hangs — und denen ein Absetzen am Morgen die Tür zu Gelände öffnet, das sonst verschlossen bliebe.
Das Wort des Gründers Was Tröllaskagi für mich besonders macht, ist nicht das Absetzen — es ist der Moment danach, wenn der Hubschrauber weg ist und nur noch der Wind bleibt, der Fjord tief unten und ein unverspurter Hang, den vor uns niemand gezogen hat. Wir bleiben bewusst klein: vier, fünf pro Gruppe, ein paar Leute mehr am Tisch der Lodge — und sonst niemand am Berg. Ich sehe mir bis heute am Abend den Wind von morgen an, bevor ich zu Tisch gehe; das ist der Teil des Berufs, der mich nie ganz loslässt. Wir sind an Ihrer Seite, vom ersten Gespräch bis zur letzten Abfahrt ans Meer. — Boris Malesset, diplomierter Skilehrer und Skiführer, Gründer von PowderWeGo, professionell im Tiefschnee seit 2001
FAQ — Heli-Skitouren auf Island
Was ist der Unterschied zwischen Heli-Skitouren und Heliskiing?
Beim Heliskiing fliegt der Hubschrauber jede Abfahrt aus der Höhe an; man fährt nur ab. Bei heli-unterstützten Skitouren setzt er nur einmal am Morgen ab, danach steigt man mit Fellen zum Gipfel auf und fährt von dort. Diese Reise erschließt so abgelegenes Gelände, bleibt im Kern aber eine Skitour und verlangt Eigenleistung im Aufstieg.
Wann ist die beste Zeit für Skitouren auf Island?
Die Saison auf Tröllaskagi reicht von März bis Ende Mai. April und Mai bieten lange Tage und tragenden Firn, bis hin zum Skifahren unter der Mitternachtssonne; im März ist es kälter, mit besseren Chancen auf Pulverschnee und Nordlichter.
Wie groß sind die Gruppen?
Klein. Eine Gruppe zählt vier Skifahrer, höchstens fünf, und in der Lodge sind es acht Personen — zwei kleine Gruppen, die sich das Haus teilen, höchstens zehn bei voller Privatisierung. Das ist deutlich enger als ein klassisches Programm ohne Hubschrauber, bei dem Gruppen zu sechst und ein gutes Dutzend insgesamt üblich sind.
Muss ich ein sehr guter Skifahrer sein?
Man sollte ein sicherer, gelassener Skifahrer abseits der Piste sein, jede Schneeart fahren können und mit der Spitzkehrentechnik im Aufstieg vertraut sein. Die Touren dauern ein bis drei Stunden Aufstieg, die Abfahrten reichen bis nahezu 1.400 m. Wettkampfniveau ist nicht nötig, Eigenständigkeit schon.
Wie sicher ist das Ganze ohne Lawinenlagebericht?
Island hat keinen flächendeckenden Lawinenlagebericht wie die Alpen. Der Schnee fällt oft mit Wind, Triebschnee ist häufig. Die Lage wird vor Ort täglich vom Skiführer beurteilt; jede Gruppe fährt mit LVS, Schaufel, Sonde und Lawinenairbag und beginnt den Tag mit einem Briefing.
Was kostet die Reise, und was ist drin?
Unsere Reise auf Tröllaskagi kostet 7.500 € pro Person (ohne Flüge), für 7 Tage und 6 Skitage mit einem Absetzen am Morgen, einer privaten Lodge am Fjord, Koch im Haus und Bergführung. Termine und Programm entstehen gemeinsam mit Ihnen.
Fährt man auf Island wirklich bis ans Meer?
Ja. Viele Gipfel der Halbinsel steigen direkt aus dem Atlantik, und die Abfahrten ziehen sich oft bis an den Strand am Fjord. Das ist eine der Eigenheiten, die das Skifahren auf Tröllaskagi prägen — die Berge und der Ozean treffen unmittelbar aufeinander.
Mit uns auf die Troll-Halbinsel
Diese Halbinsel steht im Herzen unserer Reise Heli-Touring Island — heli-unterstützte Skitouren auf Tröllaskagi. Ein Absetzen am Morgen, Fellaufstieg, Abfahrt bis ans Meer — und die Abende in unserer privaten Lodge am Fjord, in kleiner Runde. Termine und Programm entstehen gemeinsam mit Ihnen.
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